Thurston Moore @ Kammerspiele 12/6/11

Unter gedämpften Theaterlampen kann man Weißwein schlürfen oder Free Jazz-Platten kaufen. Der Merchstand ist ein Albtraum für Sammler mit schmalem Geldbeutel. Da ich nicht alles mitnehmen konnte, habe ich den Tisch mit den Platten ab einem gewissen Zeitpunkt einfach ignoriert. Was sicher ein Fehler war. Vorband gab’s auch. Die Tall Firs. Zwei Knaben schicken ihre silbrigen Gitarrenpickings durch einen Fender Twin Reverb und  rösten seltsame Marshmellows. Einer von den beiden kann richtig gut singen. Sehr schöne Musik, für ein Stück kommt die Harfenistin aus Thurstons Band auf die Bühne, der Drummer macht für zwei Nummern mit, wenn ich mich recht erinnere, aber das hat für meinen Geschmack die zurückgenommene Stimmung eher gestört.

Nach einer Pause kommt Thurston Moore samt zweitem Gitarristen, Drummer, Harfenistin und Geigerin auf die Bühne. In Sakko und Krawatte ein ungewohnter Anblick. Beide fliegen irgendwann nach hinten, ebenso wie ein sich sträubender Big Muff („This is a theatre, right?“). Die wunderbar entrückten Folksongs des letzten Albums gehen runter wie mit LSD versetztes Öl, gewürzt mit ausgewählten Filetstücken von „Trees Outside The Academy“, als Kontrapunkt dazu gibts unter mehr oder weniger akkustischen Bedingungen geschreinerte Versionen von alten Noiserock-Gassenhauern vom „Pyschic Hearts“-Album wie das unfassbare „Ono Soul“. Das steht manchen Stücken besser als anderen, und so wird immer wieder die Mär vom Folk-Quintett durch Distortion und Ozeane aus Drones widerlegt, zum Reinlegen und Untergehen. Wunderbares Konzert. Übrigens: Jörg ist das deutsche Wort für Hardcore, wie wir jetzt wissen.