The Small Underground Empire vom Donnerstag: Abenteuer mit Busenkathi

Wie angekündigt nahmen wir dieses Mal eine Pause von unseren Verpflichtungen in Cthulhu-London und versuchten uns an interaktiven Texten in deutscher Sprache.

Unsere Wahl fiel erst Mal auf „Ein Fall in Jashpur“ von Oliver Berse; in unserer Runde wollte jedoch zu Beginn nicht so recht Stimmung aufkommen, und auch die Aussicht auf eher detektivisches Analysieren ließen uns das sicher interessante Spiel für’s erste beiseite legen.

Daraufhin wagten wir tatsächlich, ein Spiel mit dem Titel „P. Mason und der Schlitzerhans und die Busenkathi“ in den Interpreter zu legen. Meine Angst vor einem pseudowitzigen Pubertätserguss war allerdings völlig unbegründet; ganz im Gegenteil hat uns das Spiel, oder der interaktive Fernsehabend“ von der ersten Sekunde begeistert und mal wieder eine Lektion über die Stärken und Möglichkeiten von Interactive Fiction erteilt, gerade auch kollektiv. Kein Pennälerhumor, sondern genuin saukomisch.

Das Setting versetzt den Spieler in ein österreichisches Wellness-Hotel, genauer gesagt in eine nach Orangen und Rosen duftende Badewanne. Leider wird das Sinnesvergnügen durch einen Mord gestört. Nachdem der Protagonist (ein Fernsehkommissar) den ganzen Spaß nicht der Polizei überlassen möchte, beginnt er mit Ermittlungen zwischen Frigidarium und Heubad, Minibar und Tenniscourt und stößt rasch auf die Legende vom Schlitzerhans, auf dessen Spur er sich zur Alm der Busenkathi durchschlägt, vorbei an Touristen und Öko-Freaks, deren Dialekt als special feature untertitelt werden kann, um nach einem abenteuerlichen Finale den  Fall erfolgreich zu lösen.

Die Handlung ist spannend, die Rätsel logisch und recht einfach zu lösen, ohne zu langweilen, aber die meisten Punkte macht das Spiel mit der bissig-satirisch bis völlig bescheuerten Darstellung der alpinen Erlebniswelt; der Blödsinn ist offensichtlich tief implementiert, wir haben uns ständig bekugelt bei den Parserantworten. Die Sahnehaube besteht in den eingestreuten Werbeunterbrechungen, die den alltäglich ausgestrahlten Stumpfsinn so schön ins Absurde gleiten lassen, dass man eingentlich von Lyrik sprechen muss.

Ein extrem unterhaltsames, sehr gut gemachtes (inkl. ausführliches Hilfesystem mit witzigen Backgroundinfos) Spiel, das man nur jedem Interessierten, auch Anfängern, wärmstens empfehlen kann; am Ende bleibt nur ein kleines Rätsel offen: Wer ist diese Sophie Frühling, und warum gibt’s nicht mehr von dem Zeug?

Wer mag, kann unsere Abenteuer nachlesen: busenkathi script