Das motortexte-Dilemma

Vielleicht war mein Skeptizismus berechtigt. Ein Online-Automagazin, das es noch gar nicht gibt, will Textadventures zum Thema Automobil bringen. Ich kann mit Autos im Prinzip nicht das Geringste anfangen, mit Automagazinen noch viel weniger, und einem Nutznießer der Autoindustrie Content liefern ist auch nicht unproblematisch. Wie die sich die Schnittmenge zwischen Sportwagen und IF vorstellen, weiß ich auch nicht. Dennoch lasse ich mir die Sache durch den Kopf gehen.

Denn die Prämisse, mit einer Schar anderer Autoren zusammen an einem Projekt zu arbeiten, ist natürlich schon reizvoll, und so entschließe ich mich letztendlich dafür, mitzumachen, aber eben auf meine Art: Mein Spiel soll in Athen während der blutigen Proteste gegen das Sparprogramm der Regierung spielen und „Maybach Molotow Massaker“ heißen.

Man arbeitet, man kooperiert, denkt über einen Meta-Faden zwischen den einzelnen Spielen nach, es macht Spaß. Die genaueren Zusammenhänge bekomme ich so richtig erst ins Blickfeld, als ein Treffen mit den Leuten vom Magazin ansteht, das wir bei uns im iRRland vor unserem wöchentlichen Treff geplant haben. Arroganz und Inkompetenz konnte man schon mal vorkosten. Vorgeschickt wird das Fußvolk, das berichtet, dass die Webseite im Moment noch auf WordPress laufe. Die Hauptverantwortlichen kommen deutlich zu spät und haben web.de-Email-Accounts. Dennoch verläuft das Gespräch recht konstruktiv, man eignet sich sogar auf eine Gage, es wird von Video-Interviews gesprochen. Zumindest bis ich dann um halb acht mal einfließen lasse, dass die Gäste für meine Veranstaltung seit einer halben Stunde warten und wir mal zum Schluss kommen sollten. Nichtsdestotrotz trennt man sich recht guter Dinge.

Irgendwann bekomme ich einen Fragebogen, den ich ausfülle und an unsere „Teamleitung“ sende, sieht ja alles ganz nett aus. Die Deadline für die Ankündigung der Spiele und der Veröffentlichung des Inteviews rückt näher, und wir haben noch immer nichts zum Gegenlesen bekommen. Und dann, heimlich, still und leise geht der Beitrag online. Es ist nicht zu fassen: Das Layout ist bodenlos, der Text ein Meer aus Rechtschreibfehlern und inhaltlichen Ungereimtheiten (ein Spiel ist sogar falsch betitelt, andere tauchen gar nicht erst auf). Wir sammeln alle Fehler und Korrekturwünsche und schicken sie an die Verantwortlichen mit der Bitte um Richtigstellung. Wir haben nie eine Antwort bekommen.

Spätestens dann schlug die positive Stimmung in Entsetzen um. Mit dieser Präsentation will niemand der Beteiligten in Verbindung gebracht werden. Nach hitzigen, angestrengten Debatten einigt man sich auf folgendes Procedere: Das Magazin bekommt abgespeckte Miniversionen der Spiele, um die geschlossene Vereinbarung zu erfüllen, die eigentlichen Spiele sollen später in anderem Rahmen veröffentlicht werden. Ich entschließe mich erst dazu, ein CYOA zu machen, montiert aus persiflierten Texten von der Magazin-Webseite, aber das kommt intern nicht so gut an.

Irgendwann kommt die Idee zu „The Travelmonkey“: Ein Nicht-Spiel, in dem man als Kind im Auto sitzt und einfach nichts machen kann, außer einem Affen den Arm abreißen und darin einen Zettel mit unseren Änderungswünschen finden.

Zwei kurze Speed-IF-Dinger wurden noch schnell geschrieben, drei Spiele deutlich beschnitten, ein CYOA eingereicht. Und dann ging’s online, ohne großes Tamtam von irgendeiner Seite. Es gab eine Ankündigung auf ifwizz.de und im deutschen IF-Forum, was man vielleicht auch hätte sein lassen sollen, ich weiß es einfach nicht mehr.

Entweder hätte man die Sache totschweigen müssen oder gleich mit dem Coming Out um die Ecke biegen. Letztendlich schwieg man, weil die Zahlungen noch ausstehen. Es glaubt zwar keiner wirklich daran, dass das Magazin noch zahlt, nachdem sie uns behandelt haben wie sie es eben getan haben, aber man wartet. Ich muss jetzt mein Schweigen brechen, um nicht noch mehr Porzellan zu zerbrechen. Die Spieler, die die Spiele ausprobieren, sind sichtlich genervt, weil sie ohne Info völlig kryptische oder in Kürze programmierte Minispielchen vorgesetzt bekommen (nichts gegen Minispiele, die müssen ja gar nicht perfekt implementiert sein, aber man muss halt wissen, womit man’s zu tun hat. Unter dem Aspekt Speed IF sind die eingereichten Spiele, meins mal ausgenommen, alle witzig), und bevor ich’s mir endgültig mit dem kleinen Publikum verscherze, dass es hier gibt, lege ich mich lieber mit idiotischen, inkompetenten Online-Auto-Magazinen an. Fuck you, Slidewaymonkeys!

Und du, liebes Publikum, ich denke, wir sind dir was schuldig. Ich arbeite dran.

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