The Original Adventure

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Ich habe es gewagt. Das Ur-Adventure, die kollossale Höhle, aus der das Genre der Adventure-Spiele entsprang, habe ich furchtlos bestiegen, tagelang Karten gezeichnet, mich verlaufen, und ich sage es nur ungern: Ich bin gescheitert. Meinen Respekt für die wagemutigen Mainframe-Adepten, die sich Ende der Siebziger tatsächlich für die vollen 350 Punkte wochenlang durch Bedquilt und seine verwinkelten Räume gequält haben, ich musste nach etwa 200 Punkten (immerhin „Veteran Adventurer“ glaube ich) aufgeben. Doch der Reihe nach.

Die Geschichte dieses Spiels darf jeder, der’s nicht kennt, bitte selbst recherchieren oder sich GET LAMP besorgen. Ich stieg also mit Papier und Bleistiften bewaffnet hinab. Anfangs war ich etwas verwirrt, da die wenigen Rätsel so einfach und einleuchtend waren und ich in etwa zwei Stunden schon ein Drittel der Maximalpunktzahl ergattert hatte. Bis ich dann bald mit den fiesen Seiten des Spiels in Berührung kam. Das erste Mal fluchte ich, obwohl ich darauf vorbereitet war, als meine Lampe ausging. Start again. Einfach einen Schatz nach dem anderen ins Häuschen retten ging also offenbar schon mal nicht.

Dann stellt man beim Kartographieren fest, dass, wenn man einen Raum in einer Richtung verlässt, man durchaus an mehreren verschiedenen anderen Orten angelangen kann. Viele Ausgänge gar nicht erwähnt werden, wodurch ich in jedem Raum jede Richtung ausprobiert habe. Bis man dann im ersten Labyrinth landet. Nicht verzagen, dachte ich mir, das kenne ich doch aus Zork, einfach Gegenstände fallen lassen und schön Karten zeichnen. Nachdem ich das stundenlang getan hatte, stellte sich heraus, dass das einzige, das man dort finden kann, ein Automat mit Batterien für die Lampe ist (für die man einen Schatz opfern müsste…)

Ein paar Räume weiter ein zweites Maze. Noch fieser, wobei diesmal (fast) keine diagonalen Ausgänge. Einen weiteren Nachmittag mappe ich alles minutiös, um festzustellen, dass der Ausgang zu einem Raum ganz am Anfang führt…

Alle Schätze bis auf drei hatte ich gefunden (einer war für mich nicht als Schatz erkennbar, einen hatte ich durch einen nicht erwähnten Ausgang übersehen, und die Schatzkiste des Piraten habe ich im Labyrinth auch nicht gefunden, geht auch nur wenn man schon ausgeraubt wurde…), aber nicht zusammenhängend. Wenn man die logistische Meisterleistung schafft, alle Schätze zu finden ohne zu sterben oder dass die Lampe ausgeht, muss man völlig ohne Hint eine Brücke entstehen lassen und ebenfalls völlig ohne Hint eine Explosion auslösen, um das Spiel zu beenden, dass weiß ich aber nur durch einen Walkthrough (und sogar mit Walkthrough habe ich es nicht geschafft…).

Immerhin: Ich war da, ich hab’s gesehen. Noch mal Hut ab an die tapferen Abenteurer, die das damals tatsächlich durchgestanden haben. Ich habe zusammengenommen etwa drei Tage investiert; die ich nicht unbedingt bereue, aber ich hatte schon fesselndere Erlebnisse. Zu Beginn ist es schon toll, nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern weil es auch sehr stimmungsvoll ist, trotz der kargen Beschreibungen auf den alten Pfaden zu wandern, aber irgendwann wurde mir’s zu fies, zu mal von Seiten einer Story nicht viel zu erwarten war.

Im Großen und Ganzen kann ich das Ganze nur hartgesottenen Textadventure-Freaks in toto empfehlen, alle anderen sollten aber gerne mal zumindest reinschauen. Next up: ZORK I, das habe ich noch deutlich gehaltvoller in Erinnerung.