Tag Archiv für Literatur

Interactive Fiction-Treffen: Fazit

Runde Sache war das am vergangenen Wochenende. Die übers ganze Land verteilte Community mal nahezu vollständig (muss man sagen, kann man ja an zwei Händen abzählen) an einem Ort versammelt zu haben, war schon schön, zumal sich viele ja zum ersten Mal im „Real Life“ gegenüber traten.

Die gebotenen Vorträge deckten von hochtechnischen Programmierdetails bis eher spieltheoretischen Überlegungen ein breites Spektrum ab. Michael Baltes stellte mit G-TADS seine deutsche Erweiterung für das System TADS vor und erläuterte an einem praktischen Beispiel die Unterschiede zu Inform 7 und GerX. Martin Oehm hielt einen sehr erhellenden und amüsanten Vortrag darüber, wie wichtig passende und gut strukturierte Textausgaben für den Spieler sind. Hannes Schüller brach eine Lanze für puzzlelose IF, zeigte aber auch, wie schwierig es ist, die Handlung klar vorzugeben und trotzdem dem Spieler das Gefühl zu geben, alles wäre seine freie Entscheidung. Frank Sindermann zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen parser- und choicebasierter IF bzw. Spielbüchern auf. Thomas Rau erläuterte den Einsatz von IF im Schulalltag. Ein wirklich tolles Programm!

Nach dem Vortragsblock gab’s eine Biergartenpause zum informellen Austausch, bevor wir via Skype live zu Jon Ingold schalteten, der die aktuellen Entwicklungen bei inkle erläuterte und in ein sehr interessantes Gespräch über Vergangenheit und Zukunft von interaktiven Erzählformen verwickelt werden konnte. Ein Teil des Gesprächs wurde aufgezeichnet, ich werde demnächst noch mal gesondert darauf eingehen.

Danach haben wir noch gemeinsam gespielt, Marius Müller schaltete sich noch über Google Hangout dazu, es war sehr spaßig. Gespielt wurden:

Highly Customizeable Sauna Experience von Porpentine

Es kam aus den Alpen von Walther Rottenschneider

Total nette Aliens und

Allkrieg von Maik Beta.

 

Einen Absacker gab’s dann noch im Kilombo. Anbei ein Foto aus dem Biergarten courtesy of Adventuretreff.de. Fazit: Toll! Mehr davon! Ich verspreche mir ein wenig Aufwind in unserer kleinen Szene, wir werden sehen, auf jeden Fall hat’s Riesenspaß gemacht!

ifmucgarten

 

 

Interactive Fiction Treffen in München 2013

Nachdem das Department of Volxvergnuegen schon im Mai 2011 einen Abend rund um Textadventures und Interactive Fiction veranstaltete (http://www.volxvergnuegen.org/index.php/archivleser/items/samstag-7-mai-2011-254.html), ist es wieder an der Zeit, sich zu treffen, auszutauschen, gemeinsam zu spielen.

Der Siegeszug der Smartphones hat dieser verloren geglaubten Freizeitbeschäftigung im Zeitalter von 3D überall ein neues Publikum verschafft, das von einer wachsenden Gemeinde mit neuen Abenteuern beliefert wird. Hierbei geht es weniger um nerdigen Anachronismus als um eine im englischsprachigen Raum bereits als eigenständig angesehene Literaturgattung, die von der Steuerung des Protagonisten mit Textbefehlen bis zu spielbuchartigen Verzweigungen von Texten (CYOA- Choose Your Own Adventure) mit interaktiven Erzählformen experimentiert. In den letzten zwei Jahren hat sich einiges getan: Neben einem jährlichen Treffen in Boston entstanden Unternehmungen wie inklewriter (Jon Ingold), Varytale (Emily Short) oder auf deutsch talefriends.de, die auf den App-Markt abzielen. In einer spektakulären, über Crowd Funding finanzierten Aktion hat einer der bekanntesten IF-Autoren und Software-Entwickler, Andrew Plotkin, sich 2010 selbstständig gemacht und in der Zwischenzeit erste interessante Ergebnisse präsentieren können.

Diese Entwicklungen sind auch an der deutschen Szene nicht spurlos vorbei gegangen und münden in einem noch laufenden, interaktiven Text-Projekt, dessen ausgewachsene Ergebnisse im Dezember diesen Jahres präsentiert werden sollen, nicht zuletzt deshalb ist eine solche Veranstaltung längst überfällig geworden.

Zwei Jahre nach dem rauschenden Textadventure-Fest in der Glockenbachwerkstatt konnten erneut Größen der kleinen deutschen Szene mobilisiert werden, sich nach München zu begeben. Diesmal laden wir ins iRRland in der Bergmannstr. 8, ab 16 Uhr werden Fachvorträge u.a. zu den Themen Musik in Interactive Fiction, Autorensysteme und einem Vergleich zwischen IF und Choice-basierten Spielen angeboten, nach einer Pause im Biergarten gehört der Abend dann ab 20 Uhr ganz dem Socialising und Public Gaming.

Samstag, 17.8.2013, iRRland, Bergmannstr. 8, München, Tram 18/19 bis Schrenkstraße bzw. U4/U5 bis Schwanthaler Höhe. Vorträge 16-18 Uhr, Public Gaming ab 20 Uhr. Karte hier.

Peel Slowly And Hear – Tatsachenbericht

Vergangenen Samstag war die große Volxvergnuegen-Sause zu Ehren von „The Worldwide Thundersound“, der Band, die es vielleicht nie gegeben hat (siehe hier).

Nachdem sogar die SZ einen großen Artikel im Bayernteil brachte, sind gar nicht so viele Leute gekommen, wie man befürchten hätte können, aber doch genug, um von einem ordentlichen Happening sprechen zu können. Zuerst brachten wir unser Hörspiel über die fiktive Münchener Underground-Band, garniert mit einer nicht ganz ernst gemeinten Slideshow inklusive mies geshoppter Bandfotos; kam gut an. Nach einer Pause ging dann die totgeglaubte Band zu Psychedelik-Visuals von Andy Sefzig auf die Bühne und bretterte ihr holpriges Programm durch, das in einer fast halbstündigen Improvisation kulminierte, während derer Trommeln umfielen, ein Kasten Bier nahezu leergeräumt und Séancen auf Sonic Youth und Ginsbergh gehalten wurden. Wow. Ein ziemlicher Spaß. Man könnte sich glatt ans Trommeln gewöhnen. Der Mitschnitt ist ziemlich großartig geworden dank Asmir Sabic, der uns verrückten Demenzkranken den perfekten Sound gezimmert hat trotz Problemen mit der Geige. Bald also auf CD!

Anbei ein kleines Bild vom Konzert courtesy of Hirnriss, der Rest demnächst auf der volxvergnuegen-Seite.!

TSUE – Das gallische Textadventuredorf

Bei ‚The Small Underground Empire‘ handelt es sich um ein wöchentliches Treffen zum gemeinsamen Spielen von Textadventures.

Für die einen ist es die europaweit einzige wöchentlich stattfindende Veranstaltung für Interactive Fiction – für die anderen kaum nachvollziehbares Nerd-Geplänkel. Ersteres stimmt wohl tatsächlich, wer also an echtem Underground-Feeling interessiert ist – der Anschluss an die Mikro-Avantgarde der ludischen Narrative fällt leicht, und bei Teilnehmerzahlen von zwei bis sieben kannst du mit deiner Teilnahme unser Publikum um zweistellige Prozente bereichern! Das mit den Nerds: Alles papperlapapp! In virtuellen Verliesen aus Text rumzugurken muss Grundrecht werden! Anbei ein paar visuelle Kostproben der letzten Monate als Teil meiner großangelegten Propagandaktion…jeden Donnerstag um 19:00 im iRRland, Bergmannstr. 8, München. WATCH THIS SPACE

Blutbilder – Ein Fest

Gestern ging die Blutbilder-Ausstellung im iRRland mit einer überaus erfolgreichen Auktion zu Ende. Man kann die Ausstellung nur als einen sehr großen Erfolg bezeichnen. Die Vernissage am Mittwoch war so schön, dass noch spontan unser Hörspiel „Beer Slowly And Pee“ dem ausgesuchten Publikum präsentiert wurde; die Lesung am Donnerstag: Ein Riesenspaß, so gut habe ich Herrn Schenkel noch nicht erlebt; das durchgeknallte Else Girls-Konzert, auf dem wir die erste iRRland-Vinyl-Veröffentlichung, „Pop In Der Frisur“ präsentierten, ließ einen Gast, offensichtlich angespornt durch die bescheuerten Klamotten der Band, eine indische Trommel von zu Hause importieren. Und die Auktion am Fußball-Abend übertraf unsere bescheidenen Erwartungen sehr deutlich. Kurzum: Vier Tage Florian Schenkel bzw. Peter Blut galore, ein echtes Fest.

The Small Underground Empire vom Donnerstag: Abenteuer mit Busenkathi

Wie angekündigt nahmen wir dieses Mal eine Pause von unseren Verpflichtungen in Cthulhu-London und versuchten uns an interaktiven Texten in deutscher Sprache.

Unsere Wahl fiel erst Mal auf „Ein Fall in Jashpur“ von Oliver Berse; in unserer Runde wollte jedoch zu Beginn nicht so recht Stimmung aufkommen, und auch die Aussicht auf eher detektivisches Analysieren ließen uns das sicher interessante Spiel für’s erste beiseite legen.

Daraufhin wagten wir tatsächlich, ein Spiel mit dem Titel „P. Mason und der Schlitzerhans und die Busenkathi“ in den Interpreter zu legen. Meine Angst vor einem pseudowitzigen Pubertätserguss war allerdings völlig unbegründet; ganz im Gegenteil hat uns das Spiel, oder der interaktive Fernsehabend“ von der ersten Sekunde begeistert und mal wieder eine Lektion über die Stärken und Möglichkeiten von Interactive Fiction erteilt, gerade auch kollektiv. Kein Pennälerhumor, sondern genuin saukomisch.

Das Setting versetzt den Spieler in ein österreichisches Wellness-Hotel, genauer gesagt in eine nach Orangen und Rosen duftende Badewanne. Leider wird das Sinnesvergnügen durch einen Mord gestört. Nachdem der Protagonist (ein Fernsehkommissar) den ganzen Spaß nicht der Polizei überlassen möchte, beginnt er mit Ermittlungen zwischen Frigidarium und Heubad, Minibar und Tenniscourt und stößt rasch auf die Legende vom Schlitzerhans, auf dessen Spur er sich zur Alm der Busenkathi durchschlägt, vorbei an Touristen und Öko-Freaks, deren Dialekt als special feature untertitelt werden kann, um nach einem abenteuerlichen Finale den  Fall erfolgreich zu lösen.

Die Handlung ist spannend, die Rätsel logisch und recht einfach zu lösen, ohne zu langweilen, aber die meisten Punkte macht das Spiel mit der bissig-satirisch bis völlig bescheuerten Darstellung der alpinen Erlebniswelt; der Blödsinn ist offensichtlich tief implementiert, wir haben uns ständig bekugelt bei den Parserantworten. Die Sahnehaube besteht in den eingestreuten Werbeunterbrechungen, die den alltäglich ausgestrahlten Stumpfsinn so schön ins Absurde gleiten lassen, dass man eingentlich von Lyrik sprechen muss.

Ein extrem unterhaltsames, sehr gut gemachtes (inkl. ausführliches Hilfesystem mit witzigen Backgroundinfos) Spiel, das man nur jedem Interessierten, auch Anfängern, wärmstens empfehlen kann; am Ende bleibt nur ein kleines Rätsel offen: Wer ist diese Sophie Frühling, und warum gibt’s nicht mehr von dem Zeug?

Wer mag, kann unsere Abenteuer nachlesen: busenkathi script

Heute Abend: Am Erker

Präsentation des neuen Literaturhefts im Lesecafé in der Ligsalzstraße. Wird toll. Acht.